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Fliegenbekämpfung bei Pferden: Effektive Methoden im Sommer

Fliegenbekämpfung bei Pferden: Effektive Methoden im Sommer

Der Juni markiert den Beginn der intensivsten Fliegensaison – und für Pferdehalter bedeutet das: Handlungsbedarf. Eine konsequente Fliegenbekämpfung bei Pferden schützt Ihre Tiere vor Stress, Hautreizungen und der Übertragung gefährlicher Krankheitserreger. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Maßnahmen wirklich helfen und wie Sie Stall und Weide dauerhaft fliegenfrei halten.


Warum ist Fliegenbekämpfung bei Pferden so wichtig?

Fliegen sind weit mehr als nur ein lästiges Ärgernis. In den Sommermonaten – besonders ab Juni, wenn Temperaturen steigen und Mist sowie organische Rückstände optimale Brutbedingungen bieten – können Fliegenpopulationen im Stall innerhalb weniger Wochen explodieren. Für Pferde bedeutet das erheblichen Stress: Ständiges Abwehren, Schweifschlagen und Aufstampfen kostet Energie, beeinträchtigt die Futteraufnahme und erhöht das Verletzungsrisiko.

Darüber hinaus sind verschiedene Fliegenarten Vektoren für ernsthafte Erkrankungen. Die Stomoxys calcitrans (Wadenstecher) überträgt beispielsweise Bakterien und kann Wunden verursachen, die sich entzünden. Augeninfektionen durch Augenfliegen (Musca autumnalis) sind ebenfalls verbreitet. Südfliegen und Bremsen erzeugen tiefe Stiche, die allergische Reaktionen auslösen können – ein häufiger Auslöser der sogenannten Sommerekzem-Symptomatik bei empfindlichen Pferden. Eine gezielte und integrierte Fliegenbekämpfung ist daher nicht optional, sondern zentraler Bestandteil einer verantwortungsvollen Pferdehaltung.


Methoden der Fliegenbekämpfung bei Pferden im Überblick

Ein nachhaltiger Erfolg gelingt nur durch den kombinierten Einsatz verschiedener Strategien – man spricht vom Integrierten Schädlingsmanagement (IPM). Die folgenden Methoden ergänzen sich gegenseitig und sollten aufeinander abgestimmt werden.

Mechanische und physikalische Maßnahmen

Fliegengitter an Stallöffnungen, Fenstern und Türen sind die einfachste und gleichzeitig eine der wirkungsvollsten Maßnahmen, um Fliegen aus dem Stallinneren fernzuhalten. Achten Sie auf engmaschige Gewebe (Maschenweite ≤ 1,5 mm), die auch kleinere Arten wie Gnitzen und Kriebelmücken abhalten. Türvorhänge aus Kunststoffstreifen ergänzen den Schutz bei stark frequentierten Durchgängen.

Für den direkten Schutz des Pferdes sind Fliegendecken, Fliegenmasken und Fliegenbeinlinge unverzichtbar. Moderne Produkte aus leichten, atmungsaktiven Materialien bieten Schutz vor Augen, Ohren und empfindlichen Körperstellen, ohne das Tier in der Bewegung einzuschränken. Auf der Weide im Juni – wenn die Sonnenintensität hoch und Bremsen besonders aktiv sind – leisten Fliegendecken mit UV-Schutz gleich doppelten Dienst.

Fliegenfallen – darunter Klebbänder, UV-Lichtfallen und Lockstofffallen – reduzieren die Fliegenpopulation im Stall deutlich. Hängen Sie Klebbänder außerhalb der Reichweite von Pferd und Mensch auf und wechseln Sie diese regelmäßig, sobald sie vollständig bedeckt sind.

Biologische Fliegenbekämpfung

Die biologische Fliegenbekämpfung mit Schlupfwespen (Parasitoide der Gattungen Muscidifurax und Spalangia) hat sich in der Praxis als hochwirksam erwiesen. Diese winzigen, für Mensch und Tier völlig harmlosen Wespen legen ihre Eier in die Puppen von Stallfliegen. Aus den befallenen Fliegenpuppen schlüpfen keine Fliegen, sondern neue Schlupfwespen. Der Einsatz sollte bereits im Mai oder Frühsommer beginnen – spätestens aber jetzt im Juni – um die Population aufzubauen, bevor Fliegen sich unkontrolliert vermehren. Die Lieferung erfolgt in der Regel alle zwei bis vier Wochen als Nachschub, da die Wespen kurzlebig sind.

Ergänzend können entomopathogene Pilze wie Beauveria bassiana eingesetzt werden, die Fliegen beim Kontakt infizieren und abtöten. Diese Präparate sind für den Einsatz in Nutztierhaltu­ngen zugelassen und werden auf Oberflächen aufgetragen, auf denen Fliegen rasten.

Chemische und repellente Mittel

Repellentien auf Pyrethroid-Basis oder mit natürlichen Wirkstoffen wie Citronellöl, Lavendelöl oder Neem-Extrakt werden direkt auf das Fell aufgetragen und halten Fliegen auf Abstand. Produkte mit dem Wirkstoff Permethrin zeigen eine gute Wirksamkeit, sollten jedoch nicht bei trächtigen Stuten oder in der Nähe von Katzen angewendet werden, da Permethrin für Katzen toxisch ist. Lesen Sie stets den Beipackzettel und beachten Sie die Wartezeiten.

Im Stall können zugelassene Insektizide als Sprühbehandlung auf Wände, Decken und Ruheflächen der Fliegen eingesetzt werden – jedoch niemals direkt auf das Pferd oder in dessen Nähe während der Anwendung. Achten Sie auf eine ausreichende Belüftung und entfernen Sie Tiere und Futtermittel vor der Behandlung. Der chemische Einsatz sollte stets das letzte Mittel im integrierten Konzept sein, um Resistenzentwicklungen zu vermeiden.

Stallhygiene und Weidemanagement

Die wirksamste Fliegenbekämpfung beginnt an der Wurzel: der Unterbrechung des Brutkreislaufs. Mist und organische Rückstände sind die wichtigsten Brutstätten der Stallfliege. Folgende Maßnahmen sind essenziell:

  • Tägliches Ausmisten der Boxen und Liegeflächen verhindert, dass sich Fliegenlarven in feuchter Einstreu entwickeln können.
  • Mistlagerung: Der Misthaufen sollte möglichst weit vom Stall entfernt und windwärts positioniert sein. Eine abgedeckte Mistplatte oder regelmäßige Abfuhr durch den Landwirt reduziert das Brutpotenzial erheblich.
  • Stehendes Wasser beseitigen: Tränken täglich leeren und reinigen, Pfützen und Senken auf der Weide auffüllen – stehende Wasserstellen sind Brutstätten für Mücken und begünstigen das Vorkommen von Kriebelmücken.
  • Weiderotation: Regelmäßiger Weidewechsel unterbricht den Parasiten- und Insektenkreislauf und gibt Flächen Zeit zur natürlichen Erholung.


Praktische Tipps für den Alltag

  1. Früh starten: Beginnen Sie mit dem Einsatz von Schlupfwespen und Repellentien spätestens Anfang Juni – der Aufbau eines wirksamen Schutzes braucht Zeit und vorausschauendes Handeln.
  2. Produkte kombinieren: Setzen Sie nie nur auf eine Methode. Die Kombination aus Stallhygiene, mechanischem Schutz (Fliegendecke, Gitter), Schlupfwespen und Repellentien ist deutlich effektiver als Einzelmaßnahmen.
  3. Weidezeiten anpassen: Bremsen und Stechfliegen sind besonders in den warmen Mittagsstunden aktiv. Wenn möglich, stallen Sie empfindliche Pferde tagsüber auf und lassen Sie sie nachts auf die Weide – sogenanntes Nachtweidemanagement.
  4. Fliegenmasken korrekt anpassen: Eine zu locker sitzende Maske bietet keinen ausreichenden Schutz und kann Druckstellen verursachen. Kontrollieren Sie täglich Sitz und Zustand der Maske.
  5. Repellentien regelmäßig nachauftragen: Die meisten Produkte halten nur wenige Stunden. Bei starker Schweißbildung im Sommer ist eine zweimalige Anwendung pro Tag sinnvoll.
  6. Tränken täglich reinigen: Trinkwasser sollte stets frisch und sauber sein. Algen- und Schmutzrückstände ziehen Fliegen an und begünstigen die Keimübertragung.
  7. Mitarbeiter und Stallbeteiligte einbeziehen: Fliegenbekämpfung ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Besprechen Sie das Konzept mit allen, die im Stall tätig sind, und sorgen Sie für konsequente Umsetzung durch alle Beteiligten.
  8. Wirksamkeit regelmäßig überprüfen: Beobachten Sie das Verhalten Ihrer Pferde. Zeigen diese trotz aller Maßnahmen starke Abwehrbewegungen, überprüfen Sie Ihr Konzept und passen Sie es an.


Häufige Fragen zur Fliegenbekämpfung bei Pferden

Wann ist der beste Zeitpunkt, um mit der Fliegenbekämpfung zu beginnen?

Idealerweise beginnen Sie mit präventiven Maßnahmen bereits im April oder Mai, bevor die Fliegenpopulation ihren Höhepunkt erreicht. Schlupfwespen benötigen mehrere Wochen, um eine wirksame Population aufzubauen. Wenn Sie erst im Juni starten – wie viele Pferdehalter – ist eine intensive Kombination aller Methoden besonders wichtig, um die bereits aktiven Fliegen wirksam zu dezimieren.

Sind Schlupfwespen sicher für Pferde und Menschen?

Ja, absolut. Schlupfwespen der Gattungen Muscidifurax und Spalangia sind so klein (ca. 1–2 mm), dass sie für das menschliche Auge kaum wahrnehmbar sind. Sie stechen nicht und sind für Mensch, Pferd, Hund und alle anderen Nutztiere vollkommen ungefährlich. Sie parasitieren ausschließlich die Puppen bestimmter Fliegenarten in der Einstreu und dem Mist.

Was hilft am besten gegen Bremsen?

Bremsen sind aufgrund ihres Verhaltens und ihrer Körpergröße besonders schwer zu bekämpfen. Repellentien zeigen gegen Bremsen nur begrenzte Wirkung. Am effektivsten sind mechanische Maßnahmen: Fliegendecken aus engem Gewebe, Nachtweide sowie sogenannte Bremsen- und Stechfliegenfallen (z. B. H-Trap oder Manitoba-Fallen), die mit Lockstoffen oder CO₂ arbeiten und gezielt Tabaniden anlocken. Eine Kombination aus diesen Maßnahmen bietet den besten Schutz für Ihre Pferde.

Kann ich ätherische Öle als Fliegenmittel verwenden?

Produkte auf Basis ätherischer Öle wie Citronella, Lavendel, Eukalyptus oder Neem können eine ergänzende Wirkung haben und sind besonders für empfindliche Pferde oder als umweltschonende Alternative geeignet. Ihre Wirksamkeit ist allerdings kürzer und in der Regel schwächer als die synthetischer Repellentien. Achten Sie auf eine ausreichende Verdünnung, da konzentrierte ätherische Öle Hautreizungen verursachen können. Verwenden Sie ausschließlich Produkte, die für Pferde zugelassen oder deklariert sind.


Fazit

Eine effektive Fliegenbekämpfung bei Pferden ist kein Hexenwerk – sie erfordert jedoch Konsequenz, Vorausplanung und den kombinierten Einsatz verschiedener Methoden. Der Schlüssel liegt im Integrierten Schädlingsmanagement: Stallhygiene als Grundlage, biologische Helfer wie Schlupfwespen als nachhaltige Komponente, mechanische Schutzausrüstung für das Pferd und gezielte Repellentien als Ergänzung. Gerade im Juni, wenn Temperaturen steigen und Fliegenpopulationen explodieren, zahlt sich ein gut durchdachtes Konzept doppelt aus – für das Wohlbefinden Ihrer Pferde und Ihren eigenen Stallalltag.

Stöbern Sie in unserem Shop nach bewährten Fliegendecken, Fliegenmasken, Schlupfwespen-Sets, Stallsprays und Repellentien – alles, was Sie für einen geschützten Sommer brauchen, finden Sie bei uns auf einen Blick. Unsere Produktberater helfen Ihnen gerne dabei, das passende Konzept für Ihren Betrieb zusammenzustellen.

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Quellen

  • Foil, L. A., & Gorham, J. R. (2000). The role of biting insects in disease transmission. Veterinary Parasitology, 89(4), 313–322. https://doi.org/10.1016/S0304-4017(00)00217-9
  • Lysyk, T. J., & Axtell, R. C. (1986). Field evaluation of three methods for monitoring populations of house flies (Musca domestica) and other filth flies in three types of poultry housing systems. Journal of Economic Entomology, 79(2), 548–555.
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (2015). Fragen und Antworten zu Pyrethroiden in Tierarzneimitteln und Bioziden. BfR, Berlin. Abrufbar unter: https://www.bfr.bund.de
  • Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) (2020). Leitlinien zur Pferdehaltung – Empfehlungen für Haltung und Management. FN-Verlag, Warendorf.
  • Kaufman, P. E., & Douce, R. W. (2012). Stable Fly Management. University of Florida IFAS Extension, ENY-291. https://edis.ifas.ufl.edu
  • Steinhausen, E. (2007). Biologische Schädlingsbekämpfung im Pferdestall – Einsatz von Parasitoiden gegen Stallfliegen. Tierärztliche Umschau, 62(5), 241–246.
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